Archiv für die Kategorie ‘Transrational’
Lachdämonen
Freitag, 08. Mai 2009Danach, an wen uns der Klang unseres Lachens erinnert, wenn wir einen Witz hören, entscheiden wir, wem wir den Witz weitererzählen. Die Standarderklärung hierfür liefert das Dämonenmodell der Sozialisation von Klaus Zirki (1959). Hiernach ergreifen Menschen, mit denen wir sozialen Umgang pflegen, als Dämonen Besitz von Teilen unserer Persönlichkeit und kontrollieren in Widerstreit und Zusammenarbeit mit den Dämonen anderer Personen unseres Umfelds unser Verhalten. In der reinen Form von Zirkis Modell gibt es nicht einmal eine „eigene“ Persönlichkeit, vielmehr besteht sie komplett aus unterschiedlich starken Dämonen. In jedem Fall besteht unsere Reaktion auf Witze in dem Gelächter eines Dämons, das unter konvulsivischen Zuckungen unseren Körper packt. Wir hören genau, wessen Dämon da lacht, und wer den Witz demzufolge auch mögen wird. Dem erzählen wir ihn dann weiter.
Enzym
Donnerstag, 16. April 2009Lange Zeit dachte man, Spaß sei kein Ersatz für Glück. Dann entdeckte man, dass das nur ein Gendefekt war: Die meisten Menschen können das Enzym nicht produzieren, das das eine in das andere verwandelt.
Google Müllsuche
Mittwoch, 11. Februar 2009Wie wir alle wissen, ist es Googles größter Wunsch, das Wissen der Menschheit frei verfügbar zu machen. Die Buchsuche kann da erst der erste Schritt sein. Im kalifornischen Mountain View denkt man bereits weiter: Künftig will Google in den Ländern, in denen der Papiermüll getrennt wird, diesen vor der Wiederverwertung einscannen und online stellen. Schließlich stellen sich manchmal die Ideen, die von ihren Urhebern weggeworfen werden, als die besten heraus. Und Schriftstücke, die für den einen nicht mehr interessant sind, können für den anderen einen großen Wert haben. Projektleiter Dave Brick gibt sich visionär: „Die Art und Weise, wie Informationen und Ideen an die Öffentlichkeit geraten, wird sich grundlegend ändern. Wir stehen vor einem Durchbruch, was das Wissenspotenzial der Menschheit betrifft. Information wird nicht mehr einfach so weggeworfen werden können – stattdessen entscheidet sich an der Öffentlichkeit des Internets, was trägt und bleibt.“ Zu technischen Details wollte Brick sich nicht äußern. Bleibt zu hoffen, dass die Welt ihren Müll auch weiterhin so säuberlich trennt, dass Googles Scanner sich nicht daran verschlucken.
Sozialdarwin
Donnerstag, 07. August 2008Charles Robert Sozialdarwin (1812–1885), britischer Soziologe und Begründer der Theorie des so genannten Sozialdarwinismus. Er entwickelte das Konzept der Selektion anhand sozialer, ökonomischer und politischer Unterschiede zwischen Menschen. Um den Darwinismus zu verfechten, behaupten viele, Sozialdarwinismus habe mit diesem nichts zu tun. Das stimmt nicht. Charles Sozialdarwin war nämlich der kleine Bruder von Charles Darwin (es war damals noch üblich, Kindern verschiedene Nachnamen und gleiche Vornamen zu geben). Weil sein großer Bruder so ein toller Biologe war, bekam Charles Sozialdarwin Minderwertigkeitskomplexe, wurde fies und baute seine menschenfeindlichen Gedankengebäude. So war das.
Second hand shop
Montag, 04. August 2008Second hand shops kamen im 19. Jahrhundert in London auf und verbreiteten sich von dort aus schnell über Europa. Sie wurden von Uhrmachern betrieben, die sich darauf spezialisiert hatten, den Uhren ihrer Kunden, die damals normalerweise nur Stunden‑ und Minutenzeiger hatten, mit Sekundenzeigern (second hands) nachzurüsten. Mit der aufkommenden serienmäßigen Anfertigung sekundengenauer Uhren starben die Second hand shops aus, und das Wort bezeichnet heute etwas ganz anderes.
Anwesenheizpflicht
Sonntag, 03. August 2008Briten und Iren sind bekanntlich nicht zimperlich, wenn es um kalte Häuser geht. Doppelverglasung – wozu soll das bitte gut sein? Zentralheizung? No way. Dies galt lange Zeit nicht nur für working und middle class, sondern auch reiche Landlords hausten aus Prinzip in frostigen Residenzen, bis die deutschstämmige Queen Victoria dieser Sitte einen Riegel vorschob: 1870 erließ sie die Anwesenheizpflicht, die im Vereinigten Königreich und einzelnen Commonwealth-Staaten bis heute gilt.
Umweltfaktoren
Mittwoch, 30. Juli 2008In der Ökologie unterscheidet man zwischen abiotischen und biotischen Faktoren, denen Organismen ausgesetzt sind und die ihr Überleben beeinflussen. Zu den abiotischen Faktoren zählen z.B. Temperatur, Niederschlag, Mineralien, Sauerstoff und Kohlenstoffdioxid, Chemikalien, Strahlung, Erdbeben, Sintfluten, Meteoritenhagel und Killerroboter, also alles, was auf unbelebter Materie basiert. Neben Fressfeinden, Nahrungsangebot, Parasiten, Krankheitserregern und konkurrierenden Organismen zählen dagegen auch Kohle und Spuk zu den biotischen Faktoren, da sie ursprünglich auf belebter Materie basieren.
Medizinische Frage
Freitag, 11. November 2005Millionen junger Frauen pflegen ihr Mobiltelefon gut und tragen es in Babysöckchen mit sich herum. Doch die knuffelige Umhüllung des lieben Kommunikationsspielzeuges hat auch eine Schattenseite: Irgendwo müssen die Söckchen schließlich herkommen. Entsetzte Mütter berichten von dreisten Raubüberfällen auf Kinderwägen auf offener Straße – wie so oft trifft ein gedankenloser Trend wieder einmal die Hilflosesten. Säuglinge und Kleinkinder sind zuhauf halbseitig erkältet. Jetzt stellt sich die Frage: Wenn z.B. das linke Söckchen geklaut wird, läuft dem Kind dann das linke oder das rechte Nasenloch?
