Archiv für die Kategorie ‘Sprachen’

Wortschätzchen

Samstag, 27. Februar 2010

Die Heuschnuppen fliegen creutzfeldein. Ein Schlagwortgewitter liegt in der Luft. Schneeglückchen im Streichelstress antichambrieren beim Fahrradhenker. In der Aggregorianik seines signalschwarzen Himmelsbonbons herrschen Schwermetallmusik und Tintenbarock. Im gefrierbeutelübergreifenden Schuldbewusstenersatzteillager nebenan hat ein Metagott die Indogermanesen zu Teebaumhaxe und Kalbsblütenhonig geladen und lässt zur allgemeinen interconvenience Witzcluedo spielen. Zwischen zwei an ihren Unfuguhren nestelnden Imponderabilienmaklern entspinnt sich eine anaptyktische, von Anglischismen nicht freie conversation nasale über das Bismarck-Zerebral, während die Lambdafantasten Räuchermilch trinken und ein Schafthäher starkes entertailment zwischen glamour grammar und Salzlichtfotografie nachweist. Über allem schwebt die Quadrupeltilde und ein sanfter Bonn-Bad Godesbeat.

Word of the Day: clabrevication

Donnerstag, 25. Februar 2010

A blend of clarification and abbreviation. Describes the process of rewriting part of a text such that it becomes both more understandable and shorter, possibly even without losing information. Clabrevication is widely considered the supreme discipline of copy editing, although it has been argued that less depends on the editor’s skills than on the text being written in such a way to allow it.

Nazi Compounds

Montag, 22. Februar 2010
Phrase # of Google hits
(at the time of entering the list)
grammar nazi 188,000
music nazi 122,000
love nazi 85,600
food nazi 75,000
movie nazi 50,300
porn nazi 47,100
health nazi 25,100
republican nazi 19,000
code nazi 13,000
moral nazi 11,800
house nazi 8,140
democrat nazi 7,320
Jesus nazi 5,100
dance nazi 4,400
cleaning nazi 4,050
underwear nazi 3,950
peace nazi 3,760
bible nazi 3,000
political correctness nazi 2,780
math nazi 2,680
health insurance nazi 2,530
relevance nazi 252
linguistics nazi 224
encapsulation nazi 4

Ⅰ plan to extend this list, send me your ideas!

The Indefinite Determiner ‘this’

Mittwoch, 03. Februar 2010

So this random guy walks up to my table, sits down and starts telling a story out of the blue. Ⅰ have no idea what he is talking about or who he is referring to when he begins, “So this random guy walks up to my table, sits down and starts telling a story out of the blue. Ⅰ have no idea what he is talking about or who he is referring to when he begins, “So this random guy walks up to my table, sits down and starts telling a story out of the blue. Ⅰ have no idea what he is talking about or who he is referring to when he begins, “So this random guy walks up to my table, sits down and starts telling a story out of the blue. Ⅰ have no idea what he is talking about or who he is referring to when he begins, “So this random guy walks up to my table, sits down and starts telling a story out of the blue. Ⅰ have no idea what he is talking about or who he is referring to when he begins…

Inselbeschränkungsverletzung des Tages (2)

Dienstag, 29. Dezember 2009

Ja, was meinst du, was ich über für’n Hunger verfügt hab?

Island Constraint Violation of the Day (1)

Sonntag, 20. Dezember 2009

That’s the heat you should get out of the kitchen if you can’t stand.

Der Grund, warum

Freitag, 25. September 2009

Und ich hatte schon gedacht, auf Englisch würde sich niemand darüber aufregen. Anscheinend gibt es aber doch Leute, die das stört:


Der Mann im grünen T-Shirt hatte vorher wohl „the location where“ gesagt – eine unschöne Dopplung, weil sowohl in location als auch in where steckt, dass es um einen Ort geht. In dieselbe Kategorie gehören „the reason why“, „the time when“ und, etwas entfernter, „just because … doesn’t mean …“ wie in Homer Simpsons sehr schönem Sinnspruch „Just because Ⅰ don’t care doesn’t mean Ⅰ don’t understand.“ Ich wage mal zu behaupten, dass all diese Wendungen weit weiter verbreitet sind als ihre „richtigen“ Pendants „the reason for which“, „the time at which“ und „that … doesn’t mean“.

Und wenn Sprache logisch wäre, wäre ich arbeitslos.

Trotzdem tue ich hiermit kund, dass es mich im Deutschen zwiebelt, wenn es heißt „der Ort, wo“ statt „der Ort, an dem“, „die Zeit, als“ statt „die Zeit, zu der“ oder – am schlimmsten und verbreitetsten! – „der Grund, warum“ statt „der Grund, aus dem“. Schätze, ich schätze die Vielfalt und Willkür der von den einzelnen Substantiven regierten Präpositionen zu sehr.

Auch die because-mean-Dopplung hat ein unschönes Pendant (wenn auch kein Äquivalent) im Deutschen: „Nur weil es mir egal ist, heißt das noch lange nicht, dass ich es nicht verstehe.“ Dieser Satz könnte jetzt theoretisch als Leserkommentar folgen.

GROẞE FREUDE

Montag, 16. Februar 2009

Eins der letzten Ubuntu-Updates muss es mir beschert haben. Als ich gerade etwas eintippte, mit aus Versehen noch aktiver Feststelltaste, erschien es plötzlich auf dem Schirm. Herzlich willkommen im digitalen Zeitalter, Versal-Eszett!

Ersatzinfinitiv, Bewegung, Koordination

Sonntag, 08. Februar 2009

Beim Schreiben meines Auslandssemestererfahrungsberichts für meinen Sponsor, die Landesstiftung Baden-Württemberg, stolperte ich heute, als ich versuchte, in einem Verbletztsatz einen Ersatzinfinitv (müssen) und ein normales Partizip Ⅱ (gelinst) zu koordinieren. Letzteres sehen wir in (1) in natürlicher Umgebung, einem normalen Verbletzsatz. Das Perfekt des Modalverbs müssen wird nicht mit normalem Partizip II, sondern mit Ersatzinfinitv gebildet, wie wir in (2) sehen. Allerdings will zumindest mein Sprachgefühl, dass das Hilfsverb hätte sich dann an den Anfang des Verbalkomplexes bewegt (3). Dasselbe mit (1) zu machen ergibt allerdings Murx, jedenfalls im Hochdeutschen (4). Im einen Fall muss hätte sich also bewegen, im anderen darf es nicht. Wenn man jetzt die beiden Phrasen mit den Master-1-Kursen vorlieb nehmen müssen und möglicherweise neidisch über den Rhein gelinst mit und koordiniert, führt das zum Konflikt. Bewegt man hätte nicht, klingt es für mich komisch (5). Bewegt man es, klingt es sehr komisch (6). Ein unauflösbares Dilemma? Ich bin ihm ausgewichen, indem ich den Satz zu einem Verbzweitsatz umbaute (7).

(1)    dass ich möglicherweise neidisch über den Rhein gelinst hätte
(2) ?? dass ich mit den Master-1-Kursen vorlieb nehmen müssen hätte
(3)    dass ich mit den Master-1-Kursen hätte vorlieb nehmen müssen
(4)  * dass ich möglicherweise neidisch hätte über den Rhein gelinst
(5)  ? dass ich mit den Master-1-Kursen vorlieb nehmen müssen und möglicherweise
       neidisch über den Rhein gelinst hätte
(6) ?? dass ich mit den Master-1-Kursen hätte vorlieb nehmen müssen und
       möglicherweise neidisch über den Rhein gelinst
(7)    ich hätte mit den Master-1-Kursen vorlieb nehmen müssen und
       möglicherweise neidisch über den Rhein gelinst

Plötzlich transitiv

Samstag, 03. Januar 2009

gegangen werden ist des Übertreibers Wort der Woche, dazu habe ich noch was im Nähkästchen.

Es ist ein bekannter Witz: Deutsche Verben, die ihr Perfekt mit dem Hilfsverb sein bilden, zuvörderst Verben der Bewegung, zuvörderst Verben der Wegbewegung, werden wider die Regeln des Standarddeutschen transitiv gebraucht, als Kausativ zu ihrer intransitiven Variante: „Ich dachte, du wärst abgereist worden“, flachst Frank in Wolfgang Hohlbeins Spiegelzeit, „Die ist gegangen worden“, „Der ist zurückgetreten worden“, hört man alleweil, „Queen Elizabeth ist dann ja auch gestorben… gestorben worden…“, sinnierte der Lehrer in meinem Geschi-Strafkurs einst. Der Witz funktioniert so gut, weil das Hilfsverb werden sein Perfekt auch mit sein bildet und man nur ein worden an den Verbalkomplex anzuhängen braucht, um den Sinn des Satzes für den Hörer unerwartet zu ändern. Verstohlen und augenzwinkernd zuzugeben, dass Unfreiwilligkeit im Spiel war.

Nicht immer ist die Transitivierung ein Witz: Das Verb trocknen zum Beispiel funktioniert wirklich so. „Die Wäsche ist getrocknet“ kann man genau so gut sagen wie „Die Wäsche ist getrocknet worden.“ Neuerdings gilt das anscheinend auch für umziehen: „Im Lauf des Juli konnte die Wörterbuchsoftware schrittweise auf ihre neue Heimat umgezogen werden“, meldete LEO neulich. Auch dem intransitiven auf etwas stoßen (etwas zufällig entdecken) hat sich ziemlich unbezweifelt ein transitives jemanden auf etwas stoßen (jemandem etwas zeigen) beigesellt.

Nun zurück zu kreativen Neubildungen. „Klasse Idee! Wie ist dir das nur wieder eingefallen?“ Ein bescheidener Mensch könnte darauf antworten: „Eigentlich ist es mir von meinen Freunden eingefallen worden.“ Ein trefflicherer Kausativ wäre hier eingefällt, weil es zu fallen ja schon fällen gibt, aber gut. Oder hier, man stelle sich diese Szene vor: Geheimrat von Fontheweg betrat mein Büro. Seine Fliege saß schief, seine Hose war dreckig, sein Haar wirr und sein Gesicht leicht zerschrammt. Er keuchte vor atemloser Entrüstung. „Sie werden es nicht glauben, mein Freund!“, rief er aus, „Soeben bin ich auf dem Gang hinterhältig gestolpert worden!“ In beiden Fällen lassen adverbiale Ergänzungen – von meinen Freunden, hinterhältig – schon vor der Zeit vermuten, dass ein worden folgen wird, doch witzig ist es immer noch. Sind Sprachspiele ja immer.