Archiv für die Kategorie ‘Schule und Studium’

Die Rhetorische Orgel

Dienstag, 02. Februar 2010

Rhetorische Orgel mit taktischen Registern, emanzipativen Registern, einer strategischen Konsole, einem rhetorischen, einem syntaktischen und einem lexikalischen Manual sowie einem architektonischen Pedal.

Feier des Lebens Ⅱ

Montag, 01. Februar 2010

Neulich ging es darum, wie ich einmal ein Bild malen musste, versagte und dann auch noch einen schriftlichen Kommentar zu meinem Versagen schreiben musste. Ich habe jetzt die etwas geschliffenere Version des Kommentars wiedergefunden, die ich hinterher abgab. Ganz interessant, wie ich das damals gelöst hab:

„Feier des Lebens“ – schriftliche Erläuterung zu Konzept, Vorgehen und Ergebnis der Arbeit

Konzept

Die Bürde, malerisch einen intensiven Ausdruck von Lebensfülle und Lebensfreude vermitteln zu sollen, weckte so morbide Fantasien in mir, dass das Thema einer Totenerweckung recht schnell feststand. Ich brachte dieses dann zur Synthese mit der geforderten Lebensfreude, indem ich mich entschloss, mein Bild so zu konzipieren, dass das Wunder der Lebensfreude durch den scharfen Kontrast zu einer düsteren, bedrohlichen Umgebung besonders stark herausgestellt wird. Eine subtile Verbindung formaler und inhaltlicher Gestaltungsmittel sollte diesen Gegensatz mit vereinten Kräften zum Ausdruck bringen.

Inhalt

Mitten in dunkelster Nacht, vor sturmgepeitschten Bäumen, sieht man ein von den Toten auferstandenes Gerippe auf einer Wiese mit einer Frau tanzen. In einer bedrohlichen und der Lebensfreude eigentlich feindlichen Situation ist sowohl ein großes Feuer als auch eine Liebe entbrannt, die sogar den Tod besiegt und das Wunder des Lebens neu aus der Taufe hebt. Kann die Lebensfreude größer sein als nach einem solchen Triumph?

Form

Um die bedrohliche, nächtliche Umgebung darzustellen, beschloss ich, das Farbspektrum auf dunkelblaue und blaugrüne Töne zu reduzieren und nur im inhaltlichen Zentrum des Bildes – das tanzende Paar, gewärmt und beleuchtet durch das Feuer im Ölfass – hellere sowie rote und violette Töne zuzulassen. Mit diesen Vorgaben trat ich an das Malen selbst heran.

Vorgehen

Während der Malarbeit entwickelte ich u.a. folgende Vorgehensweisen:

  • tupfender Farbauftrag, um der Darstellung Struktur zu geben und sie vom Naturalistischen zu abstrahieren
  • Grundrichtung des Farbauftrags entlang der steigenden Bilddiagonalen, um Bewegung in das Bild zu bringen und einerseits die Wildheit der stürmischen Nacht und andererseits die Entwicklung zum Positiven, zum Leben hin, die im Zentrum stattgefunden hat, zu unterstreichen
  • bei Bäumen, Wiese und Büschen im „dunklen“ Bereich sehr dicker Farbauftrag, um die Strukturwirkung des tupfenden Farbauftrags in Ermangelung allzu vielfältiger Farbdifferenzierungen (bedingt einerseits durch das Konzept, andererseits durch meine sensationelle Unfähigkeit auf diesem Gebiet) zu verstärken
  • bewusst undetaillierte, fast schemenhafte Darstellung der beiden Personen, um ein gewisses Verlorensein in der bedrohlichen Umgebung auszudrücken, gegen das sich ihre Lebensfreude jedoch erfolgreich durchsetzen sollte
Ergebnis

Ohne Frage liegt dem Ergebnis eine deutlich sichtbar persönlich geprägte Bildgestaltung zugrunde, die erkennbar zu „abgenudelten Klischees der Werbung“ Abstand hält. In Ermangelung handwerklichen Know-hows und durch eine gewissen Schwankungen unterworfene Motivation sind jedoch einige in Konzept und Vorgehen beabsichtigte Effekte leider nur bedingt gelungen. In Zusammenhang mit dem Joch der Auflagen, die in der Aufgabenstellung genannt werden, könnte man insbesondere kritisch anmerken, dass eine wesentliche Bestimmtheit des Farbkonzeptes von vielfältig differenzierten, leuchtend bunten Farben im Rahmen meines Konzeptes nur eingeschränkt möglich war und das Bildgeschehen komplexer sowie dynamischer über mehrere Raumzonen verteilt sein könnte.

Feier des Lebens

Montag, 25. Januar 2010

Herr K. und ich verabschiedeten uns vom schulischen Kunstunterricht gleichzeitig: er durch Ruhestand und ich durch Abwählen. Bevor er ging, wollte er noch einmal eine riiichtig schöööne Aufgabe stellen. Unter dem Titel „Feier des Lebens“ sollten wir mit dem Pinsel einen „intensiven Ausdruck von Lebensfülle und Lebensfreude“ zu Karton bringen und dabei erkennbar „von abgenudelten Klischees der Werbung Abstand halten“. Die präpensionäre Sentimentalität und der plötzliche Spaß an der Freude hinderten Herrn K. nicht daran, uns einen saftigen Katalog mit formalen Auflagen aufzubürden. Als ich den in Händen hielt, war meine Motivation sofort auf dem Nullpunkt und würde bis zur Fertigstellung des Bildes immer weiter sinken. Wie ich in den vergangenen Wochen hierzublog demonstriert habe, hält sich mein künstlerisches Talent in Grenzen. Doch nie hatte ich so versagt wie bei „Feier des Lebens“, das zum Glück leider nicht erhalten ist. Zu allem Überfluss mussten wir auch einen schriftlichen Kommentar abgeben, wie wir die Auflagen umzusetzen getrachtet hatten und wie uns das gelungen war. Und was tut man, wenn man eine supernervige Schreibaufgabe und keine Lust hat? Man schreibt eine Trash-Version, und die folgt jetzt hier. Die hinterher abgegebene Fassung würde an polemischer Schärfe verlieren, sie aber nicht völlig einbüßen.

Erläuterungen zu dem Schrott, den der in einem Anfall geistiger Umnachtung Kunst gewählt habende Kilian da abliefert

Meine Bildidee ist lebendig wie Sau. Ein Skelett, einer Toter!, tanzt mit einer Frau. Wenn darin keine Lebenskraft liegt!

Mit der Malerei ist das so eine Sache. Durch die Pinselführung habe ich mich bemüht, Ihren kruden Kriterien nahe zu kommen. Das groteske Gekleckse, das dabei herausgekommen ist, sollte eigentlich wie bei Van Gogh aus dynamischen Einzelstrichen bestehen und so einen Eindruck vermitteln, als würden Lebensgeister entlang der steigenden Bilddiagonalen mitten durch das Bild fliegen. Dass dies nicht gelungen ist, liegt wohl unter anderem daran, dass ich  entweder keinen blassen Schimmer habe, wie die Technik, Farben in feinen Abstufungen festzulegen, zu mischen, und Übergänge zu erschaffen, funktionieren soll, ohne eine fertig gemischte Palette mit feinen Farbabstufungen, die dreimal von der Erde bis zum Mond und zurück reicht, sowie Farben, die 36 Stunden brauchen, bevor sie trocknen, zur Verfügung zu haben, oder schlicht und einfach in dieser Beziehung zwei linke Hände mit zehn Ringfingern habe. Auf jeden Fall hat die Arbeit an diesem Bild meine Entscheidung, Kunst abzuwählen, endgültig zementiert.

Ob Ihnen ein Gerippe, das im Schein eines brennenden Ölfasses des nachts in einer dunklen, schlecht gemalten Umgebung mit einer gesichtslosen Dame in einem geschmacklosen Kleid tanzt, einen intensiven Ausdruck von Lebensfülle und Lebensfreude vermittelt, weiß ich nicht. Mir jedenfalls kommt die dargestellte Szene um Galaxien herzerwärmender vor als die Verpflichtung, ein Bild nach Ihren Auflagen malen zu müssen.

Über persönliche Bildgestaltung und Abstand zu abgenudelten Werbeklischees müssen wir nicht reden – diese Auflagen habe ich auf jeden Fall so gut erfüllt, dass dies alle eventuellen Schwächen des Bildes verblassen lässt und eine Einführung der 1++ (16 Punkte) als Bewertung für mein Bild die einzig angemessene Antwort auf meine grandiose Leistung wäre. Dadurch relativiert sich das Folgende; es ist so irrelevant, dass Sie es im Grunde nicht zu lesen brauchen. Loben, preisen Sie mich, schreien Sie Halleluja.

Auflage: Das Farbkonzept ist wesentlich – nicht ausschließlich – bestimmt von vielfältig differenzierten leuchtend bunten Farben.

Leuchtende, wenn auch nicht bunte, geschweige denn vielfältig differenzierte, Farben, treten ausschließlich beim Feuer auf, das mir – abgesehen davon, dass es dem, was es sein soll, kein bisschen ähnlich sieht – wunderbar gelungen ist. Es ist das farblich bestimmende Zentrum des Bildes und als solches wunder-wunderschön. Das restliche Bild ist eine sich beißende Akkumulation Ekel erregender Blaugrün‑ und Violetttöne, deren Ästhetik hinter jeder der verschmierten Farbpaletten, die ich im Laufe des Entstehens meines Werkes im Mülleimer versenkt habe, weit zurückbleibt.

Wie bereits weiter oben erläutert, dokumentiert das Bild des weiteren meine sensationelle Unfähigkeit im Umgang mit Farbverläufen und –differenzierungen, sodass der ansonsten genial gemachte Feuerschein in der linken Bildhälfte aussieht wie ein Foto, das im 16-Farben-Format gespeichert wurde, und die Ausgestaltung des Nachthimmels sowie der Büsche im Vordergrund nicht einmal als einfarbiger Anstrich einer Gefängnisfassade akzeptabel wäre. Das hat aber seinen Reiz und ist eigentlich Absicht gewesen. Geben Sie mir eine Eins dafür.

Auflage: Gezeigt wird ein Geschehenszusammenhang.

Mitten in der dunklen Nacht brennt ein Feuer und spendet Licht und Wärme für zwei Tanzende. Falls Sie es wagen sollten, das zu wenig an Geschehenszusammenhang zu finden, werd ich Ihnen aber eigenhändig, darauf können Sie Gift nehmen. Es wird Sie dann auch nicht mehr viel toter machen.

Auflage: Das Bildgeschehen spielt in mehreren Raumzonen.

Das Ölfass befindet sich ein paar Zentimeter näher am Betrachter als die Tanzenden. Ende der Diskussion.

Auflage: Ein bewegter Vorgang ist dargestellt.

Die starre Pose, die die beiden… äh… Figuren da einnehmen, soll ein Tanz sein. Das ist nicht leicht zu malen, also halten Sie die Klappe.

Auflage: Wenigstens eine Person in bildwichtiger Rolle.

Ha! Volltreffer! Ich hab 200 % dieser Auflage erfüllt! Ich sprenge jede Skala! Ich bin ein Genie!

Auflage: Die Gegenstandsdarstellung kann ausdruckhafte Eigenschaften durch akzentuierte Form‑ und Farbgebung sowie Pinselführung übertreiben, darf aber den allgemeinen Sehgewohnheiten nicht grundsätzlich widersprechen.

Auf Deutsch heißt das wohl: Man muss erkennen können, was es sein soll. Dieses Kriterium ist mit absoluter Sicherheit erfüllt, vorausgesetzt, ich stehe neben dem Betrachter und erkläre es ihm. Der Darstellungsmodus meines Bildes ist überdies nichts, wofür ein Fünftklässler, den man mit einem Wasserfarbkasten und einem Blatt Papier eingesperrt hat, nicht zumindest ein „Befriedigend Plus mit Sternchen“ und ein warmherziges Lächeln von Frau B. bekommen würde.

Berücksichtigen Sie meine entwaffnende Ehrlichkeit und die angesprochenen, absoluten Qualitäten bei Notengebung und eventuellen ausufernden mündlichen Kommentaren, und Sie können Ihren von Ihren Schülern lang ersehnten Ruhestand genießen. Tun Sie es nicht, und meine Rache wird fürchterlich sein.

Ergebenst
Ihr sichtlich mit den Nerven fertiger
Kilian

P.S.: Herr K. gab mir eine Zwei.

„Guten Tag, was kann ich für Sie tun?“

Sonntag, 24. Januar 2010

Bleistiftzeichnung einer psychotisch dreinblickenden Frau mit Headset

In der elften Klasse kriegte ich einen neuen Kunstlehrer, Herrn K. Als erstes sollten wir für ihn eine telefonierende Person zeichnen. Diese bemitleidenswerte Frau war mein Versuch, ohne Hand und Hörer davonzukommen. Hat nicht funktioniert, Herr K. ließ es nicht gelten. Über Kunst bei ihm wird hier in Kürze mehr zu lesen sein.

Was heißt schon „Sinn machen“?

Montag, 28. Dezember 2009

In einem politikwissenschaftlichen Text von Lothar Brock heißt es: „Häufig ist auch von supranationalen Organisationen die Rede. Wenn diese Bezeichnung einen Sinn machen soll, bezieht sie sich auf internationale Einrichtungen, die gegenüber den Staaten weisungsberechtigt sind.“ Hier ergänzte Malik einst ganz richtig: „Wenn sie keinen Sinn machen soll, bezieht sie sich auf Betriebe zur Aufzucht und Pflege von Goldhamstern.“

Wie man eine Magisterarbeit nicht beginnen sollte

Montag, 21. Dezember 2009

Neulich hielt ich eine Magisterarbeit in Händen, die so oder so ähnlich begann:

For over a century, natural language semantics has attracted much scientific interest.

Finde ich keinen gelungenen Start, denn irgendwie erwartet man gleich, dass es dann so weitergeht:

High time somebody solved it already. Ⅰ will do that now.

Englischraum

Samstag, 14. März 2009

Eine Posse aus der Oberstufenzeit (2003 oder 2004)

Frau Herding schließt die Tür auf und betritt mit ihrem Rollköfferchen den Englischraum. Überrascht sieht sie Frau Großmann am Pult stehen.

Frau Herding: „Ach, Helene, bist du noch hier?“

Frau Großmann: (wie erstaunt über eine dumme Frage) „Nein, ich bin schon hier! Ich hab hier jetzt Unterricht.“

Frau Herding: „Hm? Merkwürdig. Da musst du dich irren. Auf meinem Plan steht…“

Frau Großmann: (mit gemeinem Blick, im „Sei-nicht-kindisch“-Tonfall) „Eva!“

Frau Großmann

Fig. 1 (Frau Großmann)

Frau Herding begreift. Sie lässt ihren Koffer los, geht in Lauerstellung. Beide Frauen gucken sich aus schmalen Augen einige Sekunden lang an, dann greift Frau Großmann plötzlich zu ihrer Vodafone-Tasche und wirbelt sie in rasender Geschwindigkeit um ihre Hand, sodass man nur noch eine kantige rote Kugel sieht. Sie geht auf Frau Herding los, die bietet mit Kung-Fu-Schlägen und –Tritten Paroli. Insgesamt werden wenige Treffer gelandet. Schließlich gelingt es Frau Großmann, Frau Herding mit der Tasche vor sich her durch den Mittelgang zu treiben und dann auch einige Schläge im Gesicht zu landen. Frau Herding wird daraufhin offensiver, schlägt Frau Großmann zu Boden, die Tasche fliegt weg. Frau Großmann gelingt es aber, Frau Herding von unten zu packen, senkrecht nach oben zu schleudern und dann mit einem Tritt völlig waagerecht auf die Tafel zu rasen zu lassen. Bullet Time. Frau Herding fängt den Aufprall mit den Armen ab, stemmt sich nach hinten und landet mit den Füßen direkt in Frau Großmanns Magengrube. Bullet Time Ende. Frau Großmann wird nach hinten geschleudert, krachend in den Schrank hinein. Der birst und stürzt zusammen, Lexika regnen ihr aufs Haupt. Langsam steht sie auf, ihre Augen blutunterlaufen, schnorchend, jetzt richtig wütend, die Fäuste geballt (Fig. 1). Frau Herding ist mit schleichenden Schritten rückwärts zum Pult gegangen und ergreift langsam, ohne Frau Großmann aus den kalt funkelnden Augen zu lassen, ein Schwert, das zufällig gerade da liegt. Sie hält es vors Gesicht und macht einen Schritt nach vorne (Fig. 2).

Frau Herding

Fig. 2 (Frau Herding)

Frau Großmann beginnt mit Stühlen nach Frau Herding zu schmeißen, die allesamt mühelos mit der Klinge zerteilt werden, während die Kontrahentinnen durch den Gang aufeinander zugehen. Als sie einander erreicht haben und die Stühle voerst aufgehört haben, zu fliegen und in Einzelteilen gegen die Tafel zu prallen, beginnt ein turbulenter Nahkampf aus sirrenden Klingen, zerberstendem Mobiliar und vielen, vielen Sprüngen und Flügen. Obwohl Frau Großmann unbewaffnet ist, scheint das Kräfteverhältnis lange Zeit ausgeglichen – was Frau Herding an dem Schwert hat, macht Frau Großmann mit Kraft und Kung Fu wett. Bald kämpfen sie schwebend viele Sekunden lang direkt unter der Zimmerdecke, bald hopsen sie, versuchend, einander auszuschalten, in wilder gegenseitiger Verfolgungsjagd über die Tische, die oft schon unter einer kräftigen Landung mit Frau Großmanns hochhackigen Stiefeln entzweigehen. So dauert es nicht allzu lange, bis Berge von Kleinholz sich im Raum türmen und die Bewegung erschweren – eine Unachtsamkeit von Frau Großmann, und Frau Herding hat sie mit dem Schwert so in Richtung Fenster abgedrängt, dass sie über die Leiche eines Stuhls stolpert. Frau Herding wirft blitzschnell das Schwert weg – es bleibt zitternd im Fernsehschrank stecken – und versetzt der noch fallenden Frau Großmann einen Tritt, der diese durch das splitternde Fenster schleudert. Zeitlupe. Frau Großmanns Hände klammern sich um den seitlichen Fensterrahmen, sie dreht sich um diese Achse nach links und zertritt im Flug das hintere Fenster. Durch dieses fliegt sie wieder in den Raum. Zeitlupe Ende. Frau Großmann landet. Kurz starren sich beide Frauen an, dann bückt Frau Großmann sich und ergreift eine lange Metallstange, die – wohl von der Baustelle her – unter den Heizkörpern gelegen hat. Virtuos schwingt und schleudert sie diese durch den Raum, die arme Frau Herding kommt einige Zeit lang ganz schön ins Ducken, obwohl sie – nun unbewaffnet – weiterhin eine ernstzunehmende Gegnerin bleibt, die die Stange gelegentlich auch selbst mal zu ihrem Vorteil wendet und Frau Großmann trotz der metallenen Abwehr manches Mal bedenklich auf die Pelle rückt. Schließlich reißt Frau Großmann die Stange furios hoch und rammt sie direkt vor den Schuhspitzen der verdatterten Frau Herding donnernd in den Boden. Das Gebäude erzittert. Ein Plakat fällt von der Pinnwand ab. Frau Herding steht jetzt mit dem Rücken zur Schrankruine, dreht sich schnell um, läuft zu dieser hin und beginnt unter den Wörterbüchern zu wühlen. Frau Großmann läuft hinterher, um Frau Herding endlich zu erledigen. Doch als sie fast heran ist, hat Frau Herding aus dem Trümmerhaufen einen riesigen Hufeisenmagneten hervorgezogen, reißt ihn mit beiden Armen über den Kopf und schwebt über den Kopf der verdutzten Frau Großmann hinweg schräg nach oben. Der Magnet will zur metallenen Spiegelrasterleuchte. Im richtigen Moment lässt Frau Herding ihn los und landet auf der Spitze der Stange, wo sie mit ihren kleinen Füßen noch relativ gut stehen kann. Frau Großmann kriegt sich schnell wieder ein, packt die Stange und versucht, hochzuklettern und Frau Herding von unten Hiebe zu versetzen, aber die ist oben in der besseren Position: Sehr elegant wehrt sie Frau Großmanns Angriffe durch Tritte ab. Die ändert ihre Strategie, geht nach vorne und zieht Frau Herdings Schwert aus dem Fernsehschrank. Von hier aus hat sie genug Abstand, um mit einem Sprung Frau Herdings Höhe zu erreichen. Mit Kampfschrei und ausgeholtem Schwert fliegt sie auf Frau Herding zu, die sich im allerletzten Moment rückwärts fallen lässt. Noch bevor sie den Boden berührt, kracht Frau Großmann gegen die hintere Wand und von da aus in die Wörterbücher, wo sie ohnmächtig liegenbleibt. Frau Herding landet katzenartig auf allen Vieren, steht auf, und ohne sich noch einmal nach ihrer erledigten Kontrahentin umzudrehen, klopft sie sich den Staub von Pulli und Hose, geht zur Tür, nimmt im Vorbeigehen den Rollkoffer und öffnet. Draußen stehen schon die Schüler des LK Englisch 12.

„Wir müssen heute in einen anderen Raum“, sagt sie, „hier drin gibt’s keine anständigen Möbel mehr.“

Every big blue boxer

Mittwoch, 06. August 2008

Have a glimpse at what the program I’m writing for my B.A. thesis in progress can do.

?- translate.

> Every big blue boxer that kills every big blue woman that is Mia loves a robber.

1 Jede große blaue Boxerin, die jede große blaue Frau, die Mia ist, tötet, liebt eine Räuberin.
2 Jede große blaue Boxerin, die jede große blaue Frau, die Mia ist, tötet, liebt einen Räuber.
3 Jeder große blaue Boxer, der jede große blaue Frau, die Mia ist, tötet, liebt eine Räuberin.
4 Jeder große blaue Boxer, der jede große blaue Frau, die Mia ist, tötet, liebt einen Räuber.

Yay! That is quite some syntactic complexity already, isn’t it? Never mind the crazy contents, Ⅰ haven’t spent much time on the lexicon yet.

The main problem here is that none of the four offered sentences is a correct translation of the exquisitly gender-unaware English sentence. Ⅰ actually spent most of the afternoon and evening on gendering issues only to find out that to achieve a satisfactory general solution, I’ll probably have to invest the better part of another day. What Ⅰ would like for the above example is the following. It’s how would express the state of affairs politically correctly.

Jede/r große blaue Boxer/in, der/die jede große blaue Frau,
die Mia ist, tötet, liebt eine/n Räuber/in.

Then of course there’s the blemish that the inner relative clause is not sufficiently extrapolated to sound nice. I’ll fix that too.

If you would like to stalk me at work and have access to my code repository, please let me know. Currently Ⅰ can’t make it public like Aleks’s because Ⅰ also store literature in there.

Translating with Semantic Representations

Montag, 21. Juli 2008

The beauty of the topic I’ve chosen for my B.A. thesis lies in the fact that it is about Machine Translation (MT), the prototypical application of Computational Linguistics (CL), relatively easy to explain yet incorporating many subdisciplines of CL. When Ⅰ started studying CL three years ago, Ⅰ told my grandparents about MT, now Ⅰ can tell them I’m actually doing it.

Of course, what I’m doing compares to state-of-the-art MT systems like a lever does to a particle accelerator. My thesis will be about devising and implementing, in Prolog,  a program that translates a certain class of English sentences, like (1a), to correct and elegant German counterparts, like (1b). Crucially, in generating the German sentence, no other information about the English input will be used than the semantic first-order logical formulae, as in (2), derived from the input using BB1, the software accompanying Blackburn’s and Bos‘ textbook. (Since the English and the German sentence both carry the same ambiguity, both of them are associated with two logical formulae, (2a) and (2b)).

(1a) Every boxer loves a woman.
(1b) Jeder Boxer liebt eine Frau.

(2a) ∀x(boxer(ⅹ)→∃y(woman(y)∧love(x,y)))
(2b) ∃x(woman(ⅹ)∧∀y(boxer(y)→love(y,x)))

In other words, Ⅰ use these simple logical formulae as an interlingua, leaving parsing and „understanding“ to (a possibly marginally extended version of) the existing system by Blackburn and Bos and focussing my efforts on generating German sentences. Nested quantification and negation, predicates best expressed as relative clauses, nouns, verbs or adjectives, and anaphoric expressions, among other things, will make this quite interesting.

Right now, Ⅰ am concerned with defining my approach precisely and describing the place it has among other approaches from the literature. Today Ⅰ collected dimensions along which Natural Language Generation (NLG) and MT systems can be positioned. Ⅰ hope to post something about them tomorrow, before leaving for a break on the bicycle.

Here’s the title of my B.A. thesis: Problems of Generating German from Logical Formulae in Automatic Translation from English to German.

AStA-Wahlen

Dienstag, 08. Juli 2008

Die Ergebnisse der diesjährigen AStA-Wahlen an der Universität Tübingen sind da, und hier ist meine Dienstleistung für alle, die sich auch fragen, was sich seit dem letzten Jahr geändert hat:

Platz 2007 2008

Wahlbeteiligung

17,9 %

Wahlbeteiligung

15 %

1

Grüne
Hochschulgruppe (GHG)

23,9 %

Liste
für die Fachschaften/Fachschaften-Vollversammlung
26,5 %
2

Liste
für die Fachschaften/Fachschaften-Vollversammlung

21,1 %

Grüne
Hochschulgruppe (GHG)
24,3 %
3

Liste
für Information und Organisation (I&O)

19,5 %

Liste
für Information und Organisation (I&O)

17,7 %

4

JUSO-Hochschulgruppe

14,2 %

Juso-Hochschulgruppe
Tübingen

14,6 %

5

RCDS
 – Die Christdemokraten

10,7 %

RCDS
 – Die Christdemokraten

11,8 %

6


LHG/Liberale
Hochschulgruppe

6,5 %

LHG
 – Liberale Hochschulgruppe

5,1 %

7

UTE-Unabhängig
transparent exzellent

4,1 %

Quellen: Amtliche Bekanntmachungen der Universität Tübingen,
Jahrgang 33 – Nr. 7 – 25.06.2007
Jahrgang 34 – Nr. 7 – 07.07.2008