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	<title>Texttheater &#187; Geistesleben</title>
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	<description>Die kleinste Bühne der Blogosphäre</description>
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		<title>Semi-entscheidbar</title>
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		<pubDate>Fri, 23 Jul 2010 00:20:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>ke</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geistesleben]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>

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		<description><![CDATA[Auf einer Medizinerparty. Eine Gruppe schickt sich zum Gehen an. F.: Ich hab mich noch gar nicht von C. verabschiedet. Kommt der noch mal irgendwann wieder? T.: Weiß ich nicht. F.: Dann warte ich noch. Raten Sie mal, wer die &#8230; <a href="http://log.texttheater.de/semi-entscheidbar">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>


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			<content:encoded><![CDATA[<p>Auf einer Medizinerparty. Eine Gruppe schickt sich zum Gehen an.</p>
<blockquote><p>F.: Ich hab mich noch gar nicht von C. verabschiedet. Kommt der noch mal irgendwann wieder?<br />
T.: Weiß ich nicht.<br />
F.: Dann warte ich noch.</p></blockquote>
<p>Raten Sie mal, wer die Steilvorlage zu einem Kurzreferat über das <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Halteproblem">Halteproblem</a> genutzt hat &#8211; und verstanden wurde! Anschaulichkeit ist alles.</p>


<p>No related posts.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Denken und sprechen</title>
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		<pubDate>Fri, 02 Jul 2010 00:22:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>ke</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geistesleben]]></category>
		<category><![CDATA[Sprache]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitwatch]]></category>
		<category><![CDATA[Zitate]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Zeit widmet diese Woche dem Niedergang der deutschen Sprache den Aufmacher und eine Doppelseite im Feuilleton. Ulrich Greiner erkennt zum Glück richtig, dass Anglizismen, Genitiv und Konjunktiv nichts zur Sache tun, schiebt sie nach einer halben Spalte beiseite und &#8230; <a href="http://log.texttheater.de/denken-und-sprechen">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>


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</ol>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die <em>Zeit</em> widmet diese Woche dem Niedergang der deutschen Sprache den Aufmacher und eine Doppelseite im Feuilleton. Ulrich Greiner erkennt zum Glück richtig, dass Anglizismen, Genitiv und Konjunktiv nichts zur Sache tun, schiebt sie nach einer halben Spalte beiseite und stürzt sich auf ein sprachphilosophisches Thema, das hierzublog schon <a href="http://log.texttheater.de/on-diversity">hie</a> und <a href="http://log.texttheater.de/microblogging">da</a> aufgetaucht ist. Seine Thesen geben mir Gelegenheit, ein paar verstreute Frechheiten in geisteswissenschaftliche Richtung abzufeuern.</p>
<p>Zitiert wird Florian Coulmas, Direktor des Deutschen Instituts für Japanstudien in Tokyo:</p>
<blockquote><p>„Unter Wissenschaftlern hat sich herumgesprochen, dass es sich empfiehlt, erst zu denken und dann zu sprechen. Dennoch hält sich hartnäckig die Vorstellung, dass nicht wir denken, sondern die Sprache für uns.&#8221;</p></blockquote>
<p>Ich finde, das hat Coulmas großartig gesagt. Greiner ist anderer Meinung:</p>
<blockquote><p>In der Literatur begebe ich mich in die Sprache hinein, und ich weiß nicht, wo ich am Ende herauskomme. Das gilt für nicht wenige Felder der Geisteswissenschaften. Die Philosophie Kants, Hegels oder Heideggers wäre anders ausgefallen, hätten sie Englisch schreiben müssen.</p></blockquote>
<p>Ja, weniger Geschwurbel und klarer herausgearbeitete wesentliche Gedanken, behaupte ich mal frech.</p>
<p>Natürlich nur dann, wenn der Zwang zum Schreiben in der Fremdsprache bei den drei Herren tatsächlich den Schalter umgelegt hätte von „sich mit der Sprache treiben lassen“ auf „erst denken, dann sich verständlich ausdrücken“. Aber es gibt keinen Grund das anzunehmen; Kant, Hegel und Heidegger hätten wohl auch auf Englisch zu schwurbeln gewusst. Sie hätten dann halt anders geschwurbelt – das ist ja gerade das Problem, wenn man eine Sprache für sich denken lässt. Man sollte es daher nur tun, wenn man Kunst, nicht Erkenntnis erlangen will. Greiner sieht das anders:</p>
<blockquote><p>Wenn es also Gebiete gibt, wo die Sprache eine erkenntnisleitende Funktion besitzt (was unbestreitbar der Fall ist), (&#8230;)</p></blockquote>
<p>Ah. Und Belege für diese unbestreitbare Tatsache kommen dann nächste Woche als Forsetzung? Das nun folgende Jürgen-Trabant-Zitat überzeugt mich nämlich noch nicht ganz:</p>
<blockquote><p>„Es gibt wissenschaftliche Betätigungen, die nicht sprachlos Gedachtes, Gemessenes, Gewogenes und Berechnetes als wissenschaftliche Erkenntnis erzeugen, sondern die wissenschaftliche Erkenntnis in Sprache generieren. Wissenschaftliche Arbeiten in den sogenannten Geisteswissenschaften kommen nicht so zustande, dass der Forscher sich zuerst die Ergebnisse denkt und diese dann nur noch bezeichnen und verlautbaren muss. Er schafft mit der Sprache einen völlig aus Sprache bestehenden Gegenstand.&#8221;</p></blockquote>
<p>Man kann sich das nackte Grauen vorstellen, das es für den Leser bedeutet, zu versuchen, solchen „völlig aus Sprache bestehenden“ Gegenständen einen Erkenntniswert abzutrotzen – oder den Spaß, den es bereitet, sie zu verspotten. Bei der Gesellschaft zur Stärkung der Verben haben wir dafür einen Vorgang mit dem Titel <a href="http://verben.texttheater.de/forum/index.php?topic=172.0">Geschwalle</a>.</p>


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		<title>Was bedeutet „sowie“?</title>
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		<pubDate>Mon, 17 May 2010 19:02:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>ke</dc:creator>
				<category><![CDATA[Deutsch]]></category>
		<category><![CDATA[Geistesleben]]></category>
		<category><![CDATA[Sprache]]></category>

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		<description><![CDATA[Im Katalog zur Ausstellung Slave City (sehr zu empfehlen) reißt Michael Zeuske kurz die Weltgeschichte der Sklaverei ab und verwendet dazu u.a. einen bemerkenswerten Satz: Allerdings wurden Männer sowie Frauen und Kinder strikt voneinander getrennt. Das Weltwissen sagt einem, was &#8230; <a href="http://log.texttheater.de/was-bedeutet-sowie">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>


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			<content:encoded><![CDATA[<p>Im <a href="http://www.amazon.de/Atelier-van-Lieshout-Slave-City/dp/3832191348/ref=sr_1_3?ie=UTF8&amp;s=books&amp;qid=1274121803&amp;sr=8-3">Katalog zur Ausstellung </a><em><a href="http://www.amazon.de/Atelier-van-Lieshout-Slave-City/dp/3832191348/ref=sr_1_3?ie=UTF8&amp;s=books&amp;qid=1274121803&amp;sr=8-3">Slave City</a></em> (sehr zu empfehlen) reißt Michael Zeuske kurz die Weltgeschichte der Sklaverei ab und verwendet dazu u.a. einen bemerkenswerten Satz:</p>
<blockquote><p>Allerdings wurden Männer sowie Frauen und Kinder strikt voneinander getrennt.</p></blockquote>
<p>Das Weltwissen sagt einem, was gemeint ist: Frauen und Kinder wurden zusammen untergebracht, Männer getrennt davon. Allerdings stört mich etwas an der Formulierung: ⟦voneinander⟧ scheint mir ein Operator zu sein, der ein geordnetes Paar von Mengen als Argument nimmt. In diesem Fall müsste das eigentlich das Paar 〈⟦Männer⟧, ⟦Frauen⟧∪⟦Kinder⟧〉 sein. Meinem Sprachgefühl nach kann ein Paar 〈⟦<em>a</em>⟧, ⟦<em>b</em>⟧〉aber syntaktisch nicht als <em>a sowie b</em> realisiert werden, sondern nur als <em>a und b</em>. Anders gesagt, <em>sowie</em> kriege ich nur als ∪ interpretiert, <em>und</em> dagegen je nach Kontext auch als paarbildenden Operator. Danach hieße der Satz oben: Männer und Frauen wurden zusammen untergebracht, Kinder getrennt davon. Oder aber, dass alle [Sklaven] voneinander getrennt wurden. Das ist sachlich unwahrscheinlich.</p>
<p>Was soll ich denn machen, verteidigt sich jetzt der Autor, <em>Männer und Frauen und Kinder</em> ist erst recht ambig und <em>Männer und Frauen sowie Kinder</em> geht nicht, weil <em>und</em> immer stärker bindet als <em>sowie</em>. Dann wären wir wieder bei der nicht intendierten Lesart.</p>
<p>Ach ja? Wo steht das geschrieben, dass <em>und</em> eine höhere Operatorpräzedenz hat als <em>sowie</em>? Mein Sprachgefühl gibt das irgendwie nicht her. Als mein Deutschlehrer beim Diktieren eines prüfungsrelevanten Sachverhalts einmal eine abenteuerliche <em>und</em>-<em>sowie</em>-Koppelung bemühte und ich aufzeigte, um Desambiguierung zu heischen, stellte dieser sonst von mir sehr verehrte Mensch mich als einen hin, der eine Ambiguität auflösende Nuance des Ausdrucks nicht erkannt hatte. Empörend, hatte ich doch als einziger alle möglichen Bedeutungsnuancen erkannt und gerade die immer noch bestehende Uneindeutigkeit, die Unzulänglichkeit aller Zeichen, die Hohlheit der Sprache&#8230; ich steiger mich da gerade in was rein. Ein linguistisch fundierter Schluß entfällt.</p>


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		<title>Prokrastination und Gewissen</title>
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		<pubDate>Mon, 19 Apr 2010 23:13:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>ke</dc:creator>
				<category><![CDATA[Fiction]]></category>
		<category><![CDATA[Geistesleben]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>

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		<description><![CDATA[Text von 2004 Eine unangenehme Pflicht steht an, die ich nun wirklich endlich erledigen sollte. Keinste Lust und äußerstes Grausen. Ich habe ein schlechtes Gewissen, weil ich diese Pflicht vor mir herschiebe. Aber es ist noch nicht so schlecht, als &#8230; <a href="http://log.texttheater.de/prokrastination-und-gewissen">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>


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</ol>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Text von 2004</em></p>
<p>Eine unangenehme Pflicht steht an, die ich nun wirklich endlich erledigen sollte. Keinste Lust und äußerstes Grausen. Ich habe ein schlechtes Gewissen, weil ich diese Pflicht vor mir herschiebe. Aber es ist noch nicht so schlecht, als dass es gegen meinen inneren Schweinehund ankäme. Nur durch noch längeres Aufschieben wird mein Gewissen schlecht genug werden, um mich endlich zum Erledigen zu zwingen. Es ist daher dringend erforderlich, dass ich die Pflicht heute noch nicht erledige. Diese Erkenntnis beruhigt mein Gewissen ungemein.</p>


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		<title>Microblogging</title>
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		<pubDate>Mon, 19 Apr 2010 20:38:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>ke</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geistesleben]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein wiederkehrendes Thema in meinem Geistesleben ist die universelle Ausdrucksmächtigkeit der Sprache unabhängig von formalen Bedingungen. Dazu zählt die von mir ziemlich stark verinnerlichte radikale Gegenthese zur Sapir-Whorf-Hypothese. Sie (also die Gegenthese) besagt, dass alle Inhalte, die in menschlicher Sprache &#8230; <a href="http://log.texttheater.de/microblogging">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>


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			<content:encoded><![CDATA[<p>Ein wiederkehrendes Thema in meinem Geistesleben ist die universelle Ausdrucksmächtigkeit der Sprache unabhängig von formalen Bedingungen.</p>
<p>Dazu zählt die von mir ziemlich stark verinnerlichte radikale Gegenthese zur Sapir-Whorf-Hypothese. Sie (also die Gegenthese) besagt, dass alle Inhalte, die in menschlicher Sprache ausgedrückt werden können, in jeder menschlichen Sprache ausgedrückt werden können, und zwar &#8211; modulo eventueller Erweiterung um das jeweilige Fachvokabular &#8211; gleich gut, gleich elegant, gleich verständlich, gleich schön etc. Eine Sprache zu entwickeln zähle zu den biologischen Eigenschaften des homo sapiens, keine Sprache sei für eine bestimmte Kultur &#8220;gemacht&#8221;, Wechselwirkungen zwischen Sprache und Kultur seien natürlich vorhanden, aber schwach, oberflächlich und von keiner Bedeutung für die Ausdrucksmächtigkeit der Sprache.</p>
<p>Unausgesprochene Grundannahme so einer These ist, dass sprachliche Äußerungen so etwas wie einen &#8220;Inhalt&#8221; haben, der von der &#8220;Form&#8221; isoliert werden könne. Diese Isolierung philosophisch oder gar formal-linguistisch präzise zu fassen ist ein hoch komplexes, odysseskes, wenn nicht sogar quijotäres Unterfangen, aber eine intuitive Vorstellung von so einer Trennung zwischen Form und Inhalt haben wohl die meisten Menschen.</p>
<p>Neben der Frage, ob alle natürlichen Sprachen (und Dialekte) gleich ausdrucksmächtig sind, kann man sich die Frage stellen, welche literarischen Varietäten einer Sprache für eine Autorin und ihre Leserinnen die gleichen Funktionen erfüllen können, spezifischer: unter welchen formalen Beschränkungen ein Text bestimmte Funktionen noch genau so gut erfüllen kann wie ohne sie. Formale Beschränkungen gibt es zuhauf: Textlänge, verständliches Schreiben, Schreiben in einem bestimmten Stil, Schreiben nur im Präsens, Unzulässigkeit des Anpassens von Flexionsendungen in Zitaten an den eigenen syntaktischen Kontext, Text muss genau sechs Wörter haben, Text muss in Palindromform sein, Text muss ein gültiges Perl-Programm und überdies ein Quine sein, Text darf kein E enthalten&#8230; man könnte sich hinstellen und sagen: So verrückten Beschränkungen ein Text auch unterworfen sein mag, eine gut genuge Autorin wird auf anderen Ebenen so geschickt sein, dass sie inhaltlich genau dasselbe rüberbringen kann wie ohne sie. In der Literatur als Kunstform, die vom Wechselspiel, der Untrennbarkeit von Form und Inhalt besonders stark lebt, natürlich eine verwegene Behauptung.</p>
<p>Aber Leute haben es ausprobiert, haben experimentiert, haben Literatenzirkel zum Erfinden neuer formaler Beschränkungen und Verfassen von Literatur darunter gegründet (Oulipo). Georges Perec hat auf Französisch einen Mystery-Roman ohne ein einziges E geschrieben. Dass dessen Hauptperson nicht Grégoire Clément heißt, kann man sich denken. Abgesehen von solchen Oberflächlichkeiten fragt sich die Leserin: Wie viel von der Handlung, von der Ausgestaltung ist ein Zugeständnis an die E-Beschränkung? Hätte Perec in groben Zügen denselben Roman geschrieben ohne die Beschränkung?</p>
<p>Abgesehen von metaliterarischen Wonnen haben formale Beschränkungen den Vorteil, dass der Autorin Entscheidungen abgenommen werden und sie sich auf das Wesentliche konzentrieren kann. Auf den Inhalt. Auf die Originalität. Auf die Schönheit. Im Korsett einer formalen Beschränkung kommen Autorin und Leserin dem Gefühl viel leichter viel näher, dass alles Menschenmögliche getan wurde, um einen Text so gut wie möglich zu machen.</p>
<p>Wie zum Beispiel die berühmteste formale Beschränkung des letzten Jahres: Nur 140 Zeichen pro Text. Der Text wird dann <em>Tweet</em> genannt, das Verfassen und Veröffentlichen solcher Texte im Internet <em>twittern</em> oder <em>microbloggen</em>. Die Website Twitter macht so gut wie nichts anderes, als ihren Benutzerinnen das Veröffentlichen von bis zu 140 Zeichen langen Texten zu ermöglichen und miteinander in ein gerichtetes soziales Netzwerk einzutreten, das bestimmt, wem wessen Tweets gezeigt werden. Mit diesem ultrasimplen System ist das Microbloggen in kurzer Zeit waaahnsinnig beliebt geworden.</p>
<p>Ich kann das mittlerweile gut verstehen. Freilich, eine klassischer Bloggerin darf beim Schreiben ganz frei entscheiden, wann sie aufhört. Aber sie <em>muss</em> es eben auch. Sie muss inhaltlichen Umfang, Textdichte und ihren Wunsch, eine bestimmte Anzahl von Leserinnen bis zum Ende durchhalten zu lassen, austarieren. Bei Twitter dagegen gibt es einen Zeichenzähler, der eine realistische Normleserinaufmerksamkeitsspanne simuliert. Wenn er rot und negativ wird, ist das eine klare Ansage: Jetzt ist Kürzen angesagt und ggf. Auslagerung des nächsten Gedankens in einen eigenen Tweet.</p>
<p>Es ist auch eine große Wohltat, dass Twitter technisch minimalistisch ist und einen nicht mit allen möglichen Zusatzfunktionen zuballert wie ein klassisches Blogsystem. Wer Zusatzfunktionen will, muss ein ganz klein wenig zur Programmiererin werden. Die Twittergemeinde schafft sich ihre Werkzeuge selbst, hier kann man Kulturevolution im Fruchtfliegentempo beobachten. Tweets kategorisieren? #Raute vor ein Wort im Text. Benutzerin verlinken? @ vor den Namen. Lange Sätze posten? Abk. verw., notf. exz. Link mit langem URL posten? Bemühe einen Adresskürzdienst. Die Adresskürzdienste, deren einzige Daseinsberechtigung ursprünglich so weit ich weiß  in den Unzulänglichkeiten bestimmter E-Mail-Programme bestand, haben durch Twitter eine Blütezeit sondergleichen erfahren. Jede bessere Website rollt ihren eigenen, ich persönlich mag aber <a href="http://u.nu">u.nu</a> am liebsten, weil der die URLs wirklich so kurz wie technisch möglich macht, das <a href="http://u.nu/unu-faq">auf wunderbar bogus-informationstheoretische Weise erklärt</a> und einmal klanglich sehr gut zu <a href="http://twitter.com/texttheater/status/11721565460">einem meiner Tweets</a> passte. Natürlich wandern auch andere technische Krücken sofort in das literarische Gerätearsenal, so werden Hashtags längst nicht mehr nur zur Kategorisierung verwendet, sondern auch, um nachgeschickte Einwortkommentare formal dem Genre entsprechen zu lassen, es vielleicht zu parodieren.</p>
<p>Gelegentlich weiß ich auch das Opulente zu schätzen, aber insgesamt bin ich ein großer Freund der reduzierten Form, das heißt in der Literatur der kurzen Form. Zugespitzt: Ja zu Gedichten, Szenen, Kurzgeschichten und Aphorismen, nein zu Gesängen, Dramen, Romanen und Essays. Dieser Appeal des Kurzen hat auch seine problematischen Seiten. Es liegt in meinem Wesen, alles zergliedern zu wollen, die Dinge einzeln abzuspeichern wie Schmetterlinge hinter Glas, zu atomisieren. Mit dem Erkennen und Spannen großer Bögen tu ich mich schwer.</p>
<p>Twitteratur kommt meinen so hübschen wie zweifelhaften Vorlieben daher entgegen. Gab es das eigentlich vor Twitter, dass etwas unter 141 Zeichen als eigenständiger literarischer Text gelten konnte? Es wurde versucht, aber meines Wissens nie die perfekte Form dafür gefunden. So etwas wie einen Aphorismus, ein Wortspiel (in Form eines Minimalbeispielsatzes) oder ein Ultrakurzgedicht auf eine Buchseite zu packen und sie ansonsten weiß zu lassen, wirkt prätenziös. Aphorismensammlungen wirken staubig und stickig. <a href="http://log.texttheater.de/was-ich-immer-sage">Listen</a> finde ich okay, aber erst ab einer gewissen Länge, die Sofortveröffentlichung jeder neuen Schöpfung ausschließt. Blogeinträge leiden darunter, eine Überschrift haben zu wollen, die dann in den meisten Blogdesigns mehr Bildschirmfläche bedeckt als der Text &#8211; und überhaupt, bei Kurztexten wirken Überschriften eher störend, sie müssen unter Verrenkungen dazuerfunden werden.</p>
<p>Twitter hat das Layoutproblem gut gelöst; der jeweils neueste Tweet auf einer Mitgliedsseite erscheint in großer Serifenschrift, der Reste in normalgroßer serifenlosen. Entscheidend finde ich, wie Twitter als Literaturplattform das Prätenziositätsproblem löst: dadurch, dass es nicht nur eine Literaturplattform ist, sondern vor allem eine Kommunikations- (banale Statusmeldungen) und Nachrichtenverteilungsplattform (Schlagzeile + Link). Die Grenze zwischen banalen Tweets und denen, denen ich literarischen Wert würde wollen zusprechen, ist fließend. Die Technik macht auch da keinen Unterschied: Jeder Tweet kriegt seinen URL und seine Zeitleistenposition. Die ideale Mischung aus Normalität und Präsentierteller. Die Perlen glitzern zwischen den Kieselsteinen und das Glitzern liegt im Auge des Betrachters.</p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Graph Jokes</title>
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		<pubDate>Sun, 24 Jan 2010 03:45:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>ke</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Humor]]></category>

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		<description><![CDATA[I&#8217;ve been meaning to get this off my chest for a while: No related posts.


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			<content:encoded><![CDATA[<p>I&#8217;ve been meaning to get this off my chest for a while:</p>
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		<title>Was heißt schon &#8220;Sinn machen&#8221;?</title>
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		<pubDate>Mon, 28 Dec 2009 17:37:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>ke</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geistesleben]]></category>
		<category><![CDATA[Schule und Studium]]></category>
		<category><![CDATA[Zitate]]></category>

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		<description><![CDATA[In einem politikwissenschaftlichen Text von Lothar Brock heißt es: &#8220;Häufig ist auch von supranationalen Organisationen die Rede. Wenn diese Bezeichnung einen Sinn machen soll, bezieht sie sich auf internationale Einrichtungen, die gegenüber den Staaten weisungsberechtigt sind.&#8221; Hier ergänzte Malik einst &#8230; <a href="http://log.texttheater.de/was-heisst-schon-sinn-machen">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>


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</ol>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In einem politikwissenschaftlichen Text von Lothar Brock heißt es: &#8220;Häufig ist auch von supranationalen Organisationen die Rede. Wenn diese Bezeichnung einen Sinn machen soll, bezieht sie sich auf internationale Einrichtungen, die gegenüber den Staaten weisungsberechtigt sind.&#8221; Hier ergänzte Malik einst ganz richtig: &#8220;Wenn sie keinen Sinn machen soll, bezieht sie sich auf Betriebe zur Aufzucht und Pflege von Goldhamstern.&#8221;</p>


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		<title>Nie ohne Titel</title>
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		<pubDate>Sat, 26 Dec 2009 19:17:33 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Kunst]]></category>
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		<description><![CDATA[Ich bin so sehr ein Mensch der Worte, dass ich in Museen meistens zuerst wie ein Adler auf das Schildchen zuschieße, bevor ich mir ein Werk ansehe. Vor diesem Hintergrund finde ich es sehr nachahmenswert, dass die aktuelle große Monet-Ausstellung &#8230; <a href="http://log.texttheater.de/nie-ohne-titel">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>


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			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich bin so sehr ein Mensch der Worte, dass ich in Museen meistens zuerst wie ein Adler auf das Schildchen zuschieße, bevor ich mir ein Werk ansehe. Vor diesem Hintergrund finde ich es sehr nachahmenswert, dass die aktuelle große Monet-Ausstellung in Wuppertal auf Schildchen verzichtet und alle Angaben zu den Werken groß an die Wände gemalt hat.</p>


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		<title>Крокодилом</title>
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		<pubDate>Tue, 01 Dec 2009 20:20:56 +0000</pubDate>
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				<category><![CDATA[Geistesleben]]></category>
		<category><![CDATA[Humor]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein weit gereister Witz: Man vergleiche den neuesten NICHTLUSTIG-Cartoon mit dieser Szene aus der ersten Cheburashka-Folge. No related posts.


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			<content:encoded><![CDATA[<p>Ein weit gereister Witz: Man vergleiche <a href="http://www.nichtlustig.de/toondb/091201.html">den neuesten NICHTLUSTIG-Cartoon</a> mit <a href="http://www.youtube.com/watch?v=sICgWJ46_4E#t=2m39s">dieser Szene aus der ersten Cheburashka-Folge</a>.</p>


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		<title>Tag stripper/text ripper</title>
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		<pubDate>Tue, 20 Oct 2009 09:53:29 +0000</pubDate>
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				<category><![CDATA[Computerlinguistik]]></category>
		<category><![CDATA[Geistesleben]]></category>
		<category><![CDATA[Sprache]]></category>

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		<description><![CDATA[Mir ist gerade aufgefallen, dass diese beiden Wörter fast gleich klingen und im richtigen Kontext auch fast dasselbe bedeuten. No related posts.


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			<content:encoded><![CDATA[<p>Mir ist gerade aufgefallen, dass diese beiden Wörter fast gleich klingen und im richtigen Kontext auch fast dasselbe bedeuten.</p>


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