Archiv für die Kategorie ‘Geistesleben’

Graph Jokes

Sonntag, 24. Januar 2010

I’ve been meaning to get this off my chest for a while:

Was heißt schon „Sinn machen“?

Montag, 28. Dezember 2009

In einem politikwissenschaftlichen Text von Lothar Brock heißt es: „Häufig ist auch von supranationalen Organisationen die Rede. Wenn diese Bezeichnung einen Sinn machen soll, bezieht sie sich auf internationale Einrichtungen, die gegenüber den Staaten weisungsberechtigt sind.“ Hier ergänzte Malik einst ganz richtig: „Wenn sie keinen Sinn machen soll, bezieht sie sich auf Betriebe zur Aufzucht und Pflege von Goldhamstern.“

Nie ohne Titel

Samstag, 26. Dezember 2009

Ich bin so sehr ein Mensch der Worte, dass ich in Museen meistens zuerst wie ein Adler auf das Schildchen zuschieße, bevor ich mir ein Werk ansehe. Vor diesem Hintergrund finde ich es sehr nachahmenswert, dass die aktuelle große Monet-Ausstellung in Wuppertal auf Schildchen verzichtet und alle Angaben zu den Werken groß an die Wände gemalt hat.

Крокодилом

Dienstag, 01. Dezember 2009

Ein weit gereister Witz: Man vergleiche den neuesten NICHTLUSTIG-Cartoon mit dieser Szene aus der ersten Cheburashka-Folge.

Tag stripper/text ripper

Dienstag, 20. Oktober 2009

Mir ist gerade aufgefallen, dass diese beiden Wörter fast gleich klingen und im richtigen Kontext auch fast dasselbe bedeuten.

Geist und Materie

Sonntag, 04. Oktober 2009

Ich hatte mich in dem Beitrag Hirnforschung und Willensfreiheit gefragt, ob es in dem Buch Hirnforschung und Willensfreiheit eher um das grundsätzliche Problem Determinismus vs. Willensfreiheit oder um das recht spezifische Problem des möglicherweise nicht fürs Handeln ursächlichen Bewusstseins geht. Die ernüchternde Erkenntnis: Es geht wild durcheinander. Statt die Unterscheidung anzusprechen, reden die Autoren öffentlichkeitswirksam aneinander vorbei.

Mein Groll gilt den Proklamatoren der plakativen These „es gibt keine Willensfreiheit“, wenn sie damit meinen, dass jeder Mensch letztlich – wie ein Tier, eine Pflanze, eine Maschine oder ein Stein auch – eine Ansammlung von sich bewegenden Elementarteilchen ist und sein Handeln daher keine anderen Ursachen habe als Naturgesetze und Zufall. Sie haben ja Recht! Naturgesetze und Zufall sind die beiden einzigen Arten von Ursachen, die wir kennen. Andere Ursachen zu behaupten ist entweder Leugnung der Naturgesetze oder metaphysische, also nicht überprüfbare, Deutung des objektiven Zufalls. Versteht man unter dem freien Willen also etwas, das weder an Naturgesetze noch an Zufall gebunden ist, so ist von vornherein klar, dass er nicht „existiert“. Die Definition ist schon absurd. Dieses philosophische Problem ist eigentlich längst gelöst. Es ist also ärgerlich, dass es in dieser ganzen Hirnforschungsdiskussion immer noch ständig im Wege herumgeistert.

Den Begriff des freien Willens mit einer sinnvollen Bedeutung zu füllen, dazu gibt es viele Ansätze, z.B. die bedingte Willensfreiheit. Allen brauchbaren Ansätzen ist gemeinsam, dass sie mit einer naturalistischen Erklärung menschlichen Handelns kompatibel sind. Und sie sind natürlich vage. Es könnte gar nicht anders sein, denn das Gehirn ist extrem komplex. Könnten wir die Zustände der Neuronen oder gar der Atome eines Gehirns genau und vollständig vermessen, könnten wir irgendwann vielleicht vollständige physikalische Kriterien angeben. Wir haben natürlich nicht die Technik dazu, so wie wir auch keine Raumschiffe haben, die mit Lichtgeschwindigkeit fliegen. Die präzisen Werkzeuge der Physik versagen angesichts der unbeherrschbaren Mengen an Beobachtungen und Daten. Um solche Fragen zu klären, brauchen wir die stumpferen, aber viel verwendbareren Werkzeuge von Wissenschaften wie Psychologie oder Philosophie.

Dass es aus praktischen Gründen keine Psychophysik gibt, ist manchen Philosophen nicht genug. So zum Beispiel Prof. Manfred Frank (Uni Tübingen, Zeit-Interview vom 2009–08–27), der diese meine Artikelserie ausgelöst hat. Er scheint von einem ebenso verzweifelten wie unsinnigen Wunsch beseelt, zu zeigen, dass es aus ganz prinzipiellen Gründen keine Psychophysik geben kann – keinen Zugriff der Naturwissenschaften auf Fragen wie: Hat Paula hier aus freien Stücken gehandelt? Empfindet Peter gerade Schmerz? Denkt Pia gerade an Pinguine? Nur weil wir die neurophysiologischen Bedingungen solcher Fragen nicht kennen, heißt das nicht, dass es sie nicht gibt. Schmerz zum Beispiel ist ganz bestimmt nicht identisch mit der Reizung einer C-Faser, aber gewiss mit einer anderen, sehr kompliziert zu beschreibenden und praktisch unmöglich genau herauszufindenden Klasse von Hirnzuständen.

Schlechter noch fand ich, dass Frank die Hirnforschung dafür kritisierte, aus neuronalen Abläufen seien keine moralischen Normen ableitbar. Viele Philosophen in oben erwähntem Buch vertraten einen ähnlich diffusen Mystizismus, der im Ungefähren der nicht exakten Wissenschaften irgendwelche Normenquellen verstecken möchte. Sie möchten die Öffentlichkeit glauben machen, Gott habe irgendwo auf dem Forschungsgebiet der Philosophie des Geistes zwei Steintafeln versteckt und die Philosophen grüben eifrig danach. Finden möchten sie diese Steintafeln natürlich nie, denn wer bestimmt, was moralisch geht, solange sie ungefunden bleiben? Der Philosoph, der die überzeugendsten Vermutungen über den Inhalt der Steintafeln verlautbart. Da kann man natürlich nicht irgendwelche Naturwissenschaftler auf demselben Gebiet graben lassen. Die würden der Öffentlichkeit sagen, dass da keine Steintafeln sind und auch gar keine sein können. Moral ist schließlich vom Menschen gemacht. Nur leider haben sie manch einem Philosophen im Kindergarten den Unterschied zwischen deskriptiv und normativ nicht beigebracht.

Die Münze für Selbstentscheider

Samstag, 26. September 2009

Manchmal kann man sich zwischen zwei Möglichkeiten schier nicht entscheiden. Dann bleibt als letzter Ausweg der Münzwurf. Bei mir ist es so: Wenn die Münze erst mal geworfen ist, schlage ich ihren Rat regelmäßig in den Wind und entscheide mich dann doch anhand von Gründen. Es ist, als würde der Münzwurf nur die klemmende Waage anstupsen, damit sich die doch etwas schwerere Schale endlich senken kann. Für Leute wie mich könnte man mal eine Münze mit zwei gleichen Seiten herstellen und – etwa über den Antipreneur-Shop – vertreiben.

Hirnforschung und Willensfreiheit

Donnerstag, 03. September 2009

Der Mensch bleibt sich ein Rätsel

Da war letzte Woche mal wieder ein Interview zum Thema Hirnforschung und Willensfreiheit in der Zeit. Wie man sieht, bringt mich das Thema in Wallung. Es könnte daher passieren, dass hierzublog eine Artikelserie folgt. Beginnen wir so:

Bisher habe ich zwei „Probleme“ ausmachen können, zwei wissenschaftliche Positionen, die von vielen als störend oder beunruhigend empfunden werden, und dieses Empfindens wegen gibt es die Debatte. Leider werden die beiden Probleme nur selten sauber voneinander unterschieden.

1) Der freie Wille ist eine Illusion. Das geht auf Experimente des Hirnforschers Benjamin Libet aus den siebziger Jahren zurück. Er fand anscheinend heraus, dass Entscheidungen (z.B. einen Knopf zu drücken) neurophysiologisch unumkehrbar werden, bevor sie der Person, die entscheidet, bewusst werden. Das Gehirn setzt eine Ereigniskette in Gang, die zum Senden von Impulsen durch Nerven, zum Bewegen von Muskeln, kurz: zum Ausführen von Handlungen führen, und das Bewusstsein weiß erst Sekundenbruchteile später davon. Legt man die gängigen Vorstellungen von Raum und Zeit zugrunde, kann das Bewusstsein also keine Macht über Entscheidungen haben. Kommt es uns also so vor, als würden wir Entscheidungen bewusst treffen, muss das eine Illusion sein. Kann man trotzdem noch sagen, dass man selbst sein Handeln bestimmt? Wer oder was ist man selbst?

2) Der freie Wille ist nicht frei. Diese These basiert nicht auf irgendwelchen konkreten Erkenntnissen der Hirnforschung, sondern man muss das eigentlich als Annahme voraussetzen, wenn man Hirnforschung überhaupt betreibt. Denn Naturwissenschaft bewegt sich grundsätzlich innerhalb eines naturalistischen Weltbildes. Welche Ursachen man also auch immer für menschliches Verhalten und Empfinden findet, ob das Bewusstsein eine entscheidende Rolle spielt oder nur machtloser Zuschauer ist – letzten Endes wird man alles auf die Positionen und Bewegungen von Elementarteilchen zurückführen, der Mensch wird also physikalisch determiniert sein. Die Menschen neigen dazu, Erkenntnisse wie diese nicht schmeichelhaft zu finden. Manche wehren sich dagegen, von Teilchenbewegungen bestimmt zu sein, wie andere sich dagegen wehren, vom Affen abzustammen. Die Quantenmechanik liefert einen Ausweg: Ihr zufolge ist, so weit ich weiß, bei allen Teilchenbewegungen eine Menge objektiver Zufall im Spiel, der sich wissenschaftlichen Vorhersagen entzieht. Statt nun aufzubegehren, zufallsgesteuert wolle man schon gar nicht sein, sollte das gekränkte Individuum ⅿ.E. berücksichtigen, dass nicht alles, was Zufall heißt, auch profan sein muss – hinter dem Unvorhersagbaren kann man ein metaphysisches Selbst oder einen Gott vermuten, wenn man möchte.

Noch habe ich nicht herausgefunden, um welches dieser beiden Probleme sich die Debatte in den letzten Jahren hauptsächlich gedreht hat. Vielleicht ging es immer nur munter durcheinander. Gemeinsam ist beiden Problemen, dass sie gängigen Vorstellungen vom „freien Willen“, von Schuld und Verantwortlichkeit die Grundlage zu entziehen scheinen. Damit lassen sich trefflich Schlagzeilen machen. Ich finde aber, bevor wir uns aufregen, müssen wir uns erst mal darüber klar werden, was das überhaupt für Grundlagen gewesen sein sollen. Worauf haben unsere Vorstellungen von Schuld, Verantwortlichkeit, gerechter Strafe usw. denn vorher basiert? Wie haben wir uns den freien Willen vorgestellt, bis er als Illusion entlarvt wurde? Frei wovon wollen wir unseren Willen haben?

Neben mir liegt das Buch mit demselben Titel wie dieser Blogeintrag. Es enthält ein gelesenes Vorwort und 31 ungelesene Aufsätze. Ich hoffe für die nächste Zeit auf Erkenntnisgewinne, die die Wände wackeln lassen. Wenn ich das Gefühl habe, dass es sich lohnt, werde ich Sie, liebe Leser, an meinem Erkenntisprozess teilhaben lassen.

Kronloyal (Remastered)

Freitag, 14. August 2009

Eine verbesserte Neuinszenierung des Publikumsrenners Kronloyal

Im StudiVZ, dem deutschsprachigen sozialen Netzwerk für Studenten, kann man seine politischen Überzeugungen wie folgt angeben: unpolitisch, Kommunist, sehr links, links, Mitte links, grün, liberal, Mitte rechts, rechts, konservativ oder kronloyal. Kronloyal! Dieses Wort in die Liste aufzunehmen ist ein lustiger Scherz, aber auch ein erstklassiger Schnappschuss vom Zeitgeist.

Ein paar subjektive Beobachtungen: Gar nicht wenige Studenten heften sich das Prädikat „kronloyal“ mit Begeisterung an die Brust. Kronen, also feudale Insignien, zieren Gesäßtaschen und Tops von Jugendlichen. Jugendliche bitten darum, an die Kandare genommen zu werden und die Zahl der Pädagogen, die bereit sind, das zu tun, wächst. Diese sind dann „modern“ Es läuft unter Schlagwörtern wie „Disziplin“ und „Manieren sind wieder ,in‘“. Sich Autoritäten zu unterwerfen ist einfacher, als in Eigenverantwortung dafür zu sorgen, ein guter Mensch zu sein. Uncool ist das auch nicht, denn die zugehörige Elterngeneration ist im Großen und Ganzen liberal. Indem man konservativer ist als konservativ – kronloyal eben – kann man also ein echter Rebell sein, ein Lehrerschreck (wenn man nicht an einen „modernen“ Lehrer gerät).

Ist es okay, konservativ zu sein? Was bedeutet „konservativ“ eigentlich? Ich verstehe darunter die Grundhaltung, am Bestehenden festzuhalten. Wenn jemand an sich bemerkt, dass seine Ansichten oft dazu tendieren, dann darf und soll er sich als konservativ bezeichnen, so denke ich. Wie man sich den Begriff allerdings auf die Fahnen schreiben kann, habe ich nie verstanden. Am Bestehenden hält man fest, weil es entweder nichts Besseres gibt – dann kommt die Frage überhaupt nicht auf, es wird nicht politisch – oder aus Faulheit. Faulheit, einschließlich Denkfaulheit und Lernfaulheit, ist ohnehin eine Haupttriebfeder menschlichen Tuns und vor allem Lassens. Das ist auch richtig so, denn Zeit und Energie sind knapp. Aus dieser Selbstverständlichkeit ein politisches Bekenntnis zu machen, halte ich für dumm bis bedenklich. Denn der Begriff bemäntelt die tatsächlichen definierenden Eigenschaften der so genannten Konservativen. Die sind meist treffender als Wirtschaftsliberale, Religiöse oder Autoritäre zu beschreiben. Wenn Jugendliche so drauf sind, fühle ich mit dem Lehrer, der darüber erschrickt.

Manche sind auch einfach starrsinnig, und für die klingt ein Begriff wie „konservativ“ zu freundlich. Wer das Bewährte verteidigt, ist freilich noch nicht gleich starrsinnig. Wenn etwas bewährt ist, also seit langer Zeit erfolgreich im Einsatz, ist das ein Hinweis auf seine Qualität, den es zu berücksichtigen gilt. Starrsinnige machen jedoch den Fehler, Bewährtheit als eine Komponente der Qualität anzusehen: Für sie ist etwas gut, weil es alt ist. Gegen solche Scheinargumente hat das Neue nie eine faire Chance. Mein Lieblingsbeispiel für Starrsinn, bemäntelt mit bemerkenswert schlechten Sachargumenten, ist Prof. Dr. Ch. Meiers Essay für Beibehaltung und Wiedereinführung der „bewährten Rechtschreibung“. Die Tugend der Faulheit vom Laster des Starrsinns säuberlich zu unterscheiden, das sollte Schulfach sein.

Was man nicht sagt (2) – Wörter der Empörungsindustrie

Dienstag, 05. Mai 2009

Was bisher geschah: Was man nicht sagt

Als Sprachwissenschaftler muss ich meine Sprachkritik ja irgendwie verbrämen, damit ich mir nicht vorwerfen muss, ganz unwissenschaftlich den Leuten vorschreiben zu wollen, wie sie gefälligst nicht zu reden haben. Als Computerlinguist stehen mir da zusätzliche Summwörter zum Verbrämen zur Verfügung, stellen wir das Folgende also unter die Überschrift:

Bullshit Mining

Soll heißen: Sollte jemand einmal ein Programm entwickeln wollen, das Texte analysiert und die Stellen markiert, wo mit hoher Wahrscheinlichkeit Scheiße gelabert wird, könnte sich dieses unter anderem auf die Wortliste stützen, die ich in diesem und folgenden Beiträgen zusammenzutragen gedenke. Heute geht es um Wörter und Multiwörter, die in der Empörungsindustrie Verwendung finden – da, wo sich über abweichende Meinungen und Geschmäcker echauffiert wird, als handele es sich um Kapitalverbrechen.

„Dieser Film ist eine Schande für die gesamte französische Filmindustrie!“, sagte laut Max Goldt mal jemand über Die fabelhafte Welt der Amélie. Die Meinung allein verrät schon Hartherzigkeit, und dann erst die Ausdrucksweise! Wie schon bei meinen Ausführungen zu dem Wort Kinderschänder geoffenbart, habe ich für Wertesysteme, in denen die böse Tat eines Menschen unter dem Label „Schande“ an einem anderen Menschen klebenbleibt, nun ja… sehr wenig übrig. Ebenso wenig für sprachliche Relikte dieser Wertesysteme.

„Das ist geschmacklos!“ Das Wort Geschmack bezeichnet individuelle ästhetische Präferenzen, oder? In der daraus abzuleitenden Bedeutung „ästhetisch völlig indifferent“ wird geschmacklos aber nie verwendet, sondern im harmloseren Fall um für schlechter erachtete ästhetische Präferenzen abzuurteilen. Das kann ich noch akzeptieren, denn auch ich gebe mich lustvoll der Hybris hin, meinen Geschmack für besser als den vieler zu halten. Mit dem Wort geschmacklos gehe ich trotzdem sehr vorsichtig um, weil es Objektivität suggeriert, als gäbe es da eine gemeinhin akzeptierte Geschmackslehre, anhand derer sich alles testen ließe. Warum nicht das Kind bei einem subjektiven Namen nennen und hässlich sagen? Es muss schon um eine sehr spezielle Art von Hässlichkeit gehen, etwa die einer mit pinken und roten Kätzchen und Herzen gemusterten Tapete, bevor ich das Wort geschmacklos verwenden würde.

Das war jetzt aber nur Vorgeplänkel, denn es geht ja um die Empörungsindustrie. (Industrie, weil Gewinnabsicht: Zur Empörungsindustrie gehört jeder, der mit Empörung Wählerstimmen, Auflage oder Internetdiskussionen gewinnen will. Für den folgenden Punkt ist es nämlich wichtig, Internetforennutzer mithineindefiniert zu haben.) Die benutzt das Wort geschmacklos, wenn es um Witze und Vergleiche geht, die man nicht machen darf, weil man damit Empfindlichkeiten verletzt (hat immer irgendwas mit Hitler zu tun). Es geht dann also nicht um eine ästhetische, sondern um eine moralische Frage. Und da ist das Wort geschmacklos ob seiner Schwammigkeit noch viel weniger geeignet: Es ist eine Totschlagvokabel, die von der Suche nach dem wahren Problem ablenken soll – in vielen Fällen ist das wahre Problem nämlich Dummheit oder unangebrachte Dünnfelligkeit des Beleidigten.

„Das ist nicht witzig!“ Wird auf „geschmacklose“ (s.o.) Witze angewandt, als hätte die politische Korrektheit irgendeinen Einfluss auf die Witzigkeit. Wenn jemand einen anderen Humor hat oder bei heiklen Themen so leicht Klöße im Hals bekommt, dass das Lachen steckenbleibt, ist das was anderes. Bei allen anderen wird höchstens aus „Hahaha“ „Hohoho“ oder „Huhuhu“, aber das Zwerchfell spannt nicht minder.