Zwei Papiertüten

Als ich um fünf vor zwölf in den REWE rausche, stellt sich mir die schwarz gekleidete Sekuritärin in den Weg, eine Schrankwand von einer Frau. „Eingang ist da!“ Aus der üblichen Geistesabwesenheit gerissen und jäh in eine soziale Situation geschubst reagiert mein Stammhirn autark und hält auch diesmal wieder eine Überraschung für mich bereit, nämlich ein Welpengesicht und einen leicht bettelnden Tonfall: „Ich muss nur zwei Papiertüten kaufen, wär das okay, wenn ich eben hier rein gehe?“ Slightly off, wenn man bedenkt, dass es nicht an sich darum geht, einen Umweg zur Kasse zu vermeiden, sondern darum, mein Gesicht zu wahren. Wahrscheinlich wirke ich wie auf Drogen, aber mein Argument zieht. Die Pointe entfällt.

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Nackt

Alle, die online T-Shirts verkaufen, machen den gleichen Witz. Threadless, Dinosaur Comics und jetzt sogar Katz+Goldt:

Logo von Threadless mit dem Claim "Nude No More"

T-Shirt Werbebild von Dinosaur Comics mit dem Claim "Now I am not naked anymore."

Nackte Comicfigur, die sagt: "Hallo! Auch gerade nackt?"

Bildquellen: Ciao, TopatoCo, Katz+Goldt-Newsletter von spreadshirt.net vom 28.07.2010.

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Neue Wörter

A·nuˈskript <auch> A·nusˈkript <n. 11> Manuskript, das für den Arsch ist
ˈein|wer·ten <V. t.> bei der Auswertung hineininterpretieren; die Forscher haben die gewünschten Ergebnisse sehr kreativ in die Daten eingewertet
entˈgäng·lich <Adj.> leicht zu übersehen oder zu überhören
entˈob·ach·ten <auch> entˈo·bach·ten <V. t.> aufhören zu beobachten; aus dem Feedreader entfernen; automatische Benachrichtigungen deaktivieren; klicken Sie hier, um Änderungen dieser Seite zu entobachten
geˈpsycht <Adj.; [-yː-]> aufgedreht; voll Emotion und nicht recht wissend wohin damit [< engl. psyched]
geˈschlös·sent·lich <Adj.> nicht öffentlich
ˈgim·micht <Adj.> voll von Gimmicks (Gags und Stilmitteln, die auf Effekte zielen); viele postmoderne Romane sind entsetzlich gimmicht [vgl. engl. gimmicky]
ˈgleit·zei·chig <Adj.> (von Zeichen) in einem Kontext gleichzeitig zwei verschiedene Bedeutungen habend, zwischen diesen Bedeutungen hin- und hergleitend; in dem Satz „Frauen riechen besser als Männer“ meine ich mit „riechen“ zwei Dinge gleitzeichig
grau <Adj.> von mitteldunkler Hautfarbe; Bezeichnung für Menschen gemischt kaukasischer/schwarzafrikanischer Rasse
hiˈnein|be·triebs·ge·heim·nis·sen <V. t.> durch ein Verfahren, das einem Betriebsgeheimnis unterliegt, in etwas hineinbringen; die Saiten werden in den Rahmen des Tennisschlägers hineinbetriebsgeheimnisst
in·fol·geˈwes·sen <Interrogativadv.> infolge welcher Ursache; infolgewessen stürzte das Flugzeug ab; <konjunktional in Nebensätzen> ein wichtiges Instrument fiel aus, infolgewessen das Flugzeug abstürzte
per·spi·kuˈier·lich <Adj.> einleuchtend, verständlich [verhält sich zu engl. perspicuous wie kontinuierlich zu continuous]
Schluß <m. 1u; [-uː-]> Konklusion, Fazit, abschließende Betrachtung in einem wissenschaftlichen Aufsatz [ein scharfes ẞ wirkt einfach abschließender, also muss man das jetzt mit langem U aussprechen]
ˈSchwum·mer·kam·mer <f. 21> schwach beleuchteter Raum in einem Museum, in dem sich die lichtempfindlichen Ausstellungsstücke befinden
ver·geˈmei·nern <V. t.> gemeiner machen; zusätzliche Gemeinheiten einführen; das Spiel wird noch dadurch vergemeinert, dass zu Beginn einer Runde geschmiedete Strategien durch Mitspieler, die vor einem dran sind, völlig zunichte gemacht werden können
ˈVor·freu·de·wrack <n. 15> einer, dem so viele schöne Dinge in Aussicht gestellt wurden, dass er sich gar nicht mehr zu helfen weiß vor Vorfreude
willˈgan·gen <Adj.> nicht willkommen gewesen und jetzt zur allgemeinen Freude wieder weg; Ggs willkommen

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Semi-entscheidbar

Auf einer Medizinerparty. Eine Gruppe schickt sich zum Gehen an.

F.: Ich hab mich noch gar nicht von C. verabschiedet. Kommt der noch mal irgendwann wieder?
T.: Weiß ich nicht.
F.: Dann warte ich noch.

Raten Sie mal, wer die Steilvorlage zu einem Kurzreferat über das Halteproblem genutzt hat – und verstanden wurde! Anschaulichkeit ist alles.

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Brotsorten

Voraussetzung für den Empfang der Kommunion ist der Glaube an die Realpräsenz Christi. Darum dürfen kleine Kinder (außer in den katholischen Ostkirchen) nicht kommunizieren, da sie den Leib Christi noch nicht von normalem Brot unterscheiden könnten.

Wikipedia

http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Abendmahl&oldid=75955262#R.C3.B6misch-katholische_Tradition
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Beckers Welt

Peinliche journalistische Unsitten, Folge 983: Eine etablierte Ausdrucksweise mit auskennerischer, gönnerhafter Gebärde als Sprachmarotte einer Randgruppe belächeln und damit nur die eigene horrende Kenntnislosigkeit vorführen. So geschehen schon neulich in der Zeit und diese Woche ebenda erneut. Diesmal trifft es nicht Sprachlehrerinnen und Beamte, sondern einen Banker mit Burnout:

Er betreut dort Firmenchefs, genauer: Geschäftsführer von mittelständischen Unternehmen mit mehreren Hundert Mitarbeitern. Mithilfe der Bank wollen sie Maschinen, Lastwagen, Immobilien dauerhaft mieten, statt sie zu kaufen. Leasen heißt das in Beckers Welt.

Ja, in welcher Welt denn nicht?!

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Storno

- Ja, guten Tag, Reisezentrum Tübingen, Huber. Ich habe ein Problem, und zwar möchte der Kunde ein Ticket stornieren, das System lässt mich aber nicht.

(…)

- Okay, probieren Sie mal folgendes: Haben Sie das Ticket vorliegen?
- Ja.
- Dann klemmen Sie das Ticket fest zwischen Daumen und Zeigefinger beider Hände, wobei die beiden Hände dicht nebeneinander liegen sollten, oben in der Mitte des Tickets. Haben Sie das?
- Ja.
- Gut. Dann ziehen Sie jetzt kräftig die linke Hand zurück und die rechte nach vorn. Sie sollten jetzt ein ungültiges Ticket in zwei Hälften in der Hand haben. Haben Sie das?
- Ja.
- Gut, dann kann ich das Ticket jetzt von hier aus als storniert eintragen.

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再 (zài): wieder. Eindeutig …

再 (zài): wieder. Eindeutig eine Mostpresse.

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辣 (là): scharf. Zwei versch…

辣 (là): scharf. Zwei verschiedenartige Pfeffermühlen, die nebeneinander stehen.

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Denken und sprechen

Die Zeit widmet diese Woche dem Niedergang der deutschen Sprache den Aufmacher und eine Doppelseite im Feuilleton. Ulrich Greiner erkennt zum Glück richtig, dass Anglizismen, Genitiv und Konjunktiv nichts zur Sache tun, schiebt sie nach einer halben Spalte beiseite und stürzt sich auf ein sprachphilosophisches Thema, das hierzublog schon hie und da aufgetaucht ist. Seine Thesen geben mir Gelegenheit, ein paar verstreute Frechheiten in geisteswissenschaftliche Richtung abzufeuern.

Zitiert wird Florian Coulmas, Direktor des Deutschen Instituts für Japanstudien in Tokyo:

„Unter Wissenschaftlern hat sich herumgesprochen, dass es sich empfiehlt, erst zu denken und dann zu sprechen. Dennoch hält sich hartnäckig die Vorstellung, dass nicht wir denken, sondern die Sprache für uns.”

Ich finde, das hat Coulmas großartig gesagt. Greiner ist anderer Meinung:

In der Literatur begebe ich mich in die Sprache hinein, und ich weiß nicht, wo ich am Ende herauskomme. Das gilt für nicht wenige Felder der Geisteswissenschaften. Die Philosophie Kants, Hegels oder Heideggers wäre anders ausgefallen, hätten sie Englisch schreiben müssen.

Ja, weniger Geschwurbel und klarer herausgearbeitete wesentliche Gedanken, behaupte ich mal frech.

Natürlich nur dann, wenn der Zwang zum Schreiben in der Fremdsprache bei den drei Herren tatsächlich den Schalter umgelegt hätte von „sich mit der Sprache treiben lassen“ auf „erst denken, dann sich verständlich ausdrücken“. Aber es gibt keinen Grund das anzunehmen; Kant, Hegel und Heidegger hätten wohl auch auf Englisch zu schwurbeln gewusst. Sie hätten dann halt anders geschwurbelt – das ist ja gerade das Problem, wenn man eine Sprache für sich denken lässt. Man sollte es daher nur tun, wenn man Kunst, nicht Erkenntnis erlangen will. Greiner sieht das anders:

Wenn es also Gebiete gibt, wo die Sprache eine erkenntnisleitende Funktion besitzt (was unbestreitbar der Fall ist), (…)

Ah. Und Belege für diese unbestreitbare Tatsache kommen dann nächste Woche als Forsetzung? Das nun folgende Jürgen-Trabant-Zitat überzeugt mich nämlich noch nicht ganz:

„Es gibt wissenschaftliche Betätigungen, die nicht sprachlos Gedachtes, Gemessenes, Gewogenes und Berechnetes als wissenschaftliche Erkenntnis erzeugen, sondern die wissenschaftliche Erkenntnis in Sprache generieren. Wissenschaftliche Arbeiten in den sogenannten Geisteswissenschaften kommen nicht so zustande, dass der Forscher sich zuerst die Ergebnisse denkt und diese dann nur noch bezeichnen und verlautbaren muss. Er schafft mit der Sprache einen völlig aus Sprache bestehenden Gegenstand.”

Man kann sich das nackte Grauen vorstellen, das es für den Leser bedeutet, zu versuchen, solchen „völlig aus Sprache bestehenden“ Gegenständen einen Erkenntniswert abzutrotzen – oder den Spaß, den es bereitet, sie zu verspotten. Bei der Gesellschaft zur Stärkung der Verben haben wir dafür einen Vorgang mit dem Titel Geschwalle.

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